Prägebuchstaben: Was bedeuten die Münzzeichen?
Für die meisten Sammler und Anleger sind die Motive auf den Münzen in ihren Kollektionen am wichtigsten. Investoren achten zudem auf den aufgeprägten Nennwert, welcher die Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel des Ausgabelandes ausweist und ein wesentliches Merkmal von Anlagemünzen ist. Wobei es auch Ausnahmen gibt, wie den Gold-Krügerrad, der klassisch ohne Nominal geprägt wird. Doch die meisten Münzdesigns enthalten viel mehr Informationen, die sich oft hinter kleinen Buchstaben, Grafiken oder Ziffern verbergen und die nicht immer direkt ins Auge fallen. Gemeint sind die Münzzeichen, Länderkürzel, Künstlersignaturen oder auch Privy Marks. Selbst erfahrene Münzsammler wissen nicht immer, was diese Kurzzeichen bedeuten.
Vielfach enthielten Münzen früher ebenfalls Hinweise auf die Person, die für die Prägung verantwortlich war – nicht zu verwechseln mit dem Künstler, der das Design entworfen hatte. Die Symbole oder Initialen standen für den Münzdirektor oder Münzmeister. In manchen Prägeanstalten wird diese alte Tradition sogar bis heute gepflegt. Ein gutes Beispiel hierfür sind französische oder niederländische Münzen, die seit dem 19. Jahrhundert neben anderen Symbolen oft auch noch das Zeichen des Münzdirektors abbilden. Hierbei werden seltener Buchstaben oder Initialen verwendet, als mehr individuelle Symbole wie Pfeil und Bogen, Weinranke oder Rabe.
Woran lässt sich die Prägestätte erkennen?
Das Kürzel der Prägestätte ist nicht immer im Design einer Münze enthalten. Ein positives Beispiel hierfür ist die westaustralische Prägeanstalt Perth Mint. Alle Produkte sind mit dem schlichten Buchstaben “P” gekennzeichnet, der sich je nach Motiv am linken oder rechten Rand der Bildseite befindet. Andere internationale Prägestätten lassen sich über das Ausgabeland zuordnen, das meist auf der Wertseite genannt ist. Ist dort etwa der Schriftzug “CANADA” enthalten, deutet es auf die Royal Canadian Mint hin, die königliche Prägestätte Kanadas. Gleiches gilt für “AUSTRALIA” und die Royal Australian Mint. Die Münzen der britischen Royal Mint lassen sich jedoch nicht so einfach zuordnen. Hier hilft ein Blick auf die Bezeichnung des Monarchen auf der Wertseite. Erscheint etwa der Titel von King Charles III. ohne Länderbezeichnung, handelt es sich um eine britische Münze. Auch der Nennwert in “Pound” (Pfund) gibt einen Hinweis.
Produkte der Münze Deutschland lassen sich am besten durch den Bundesadler auf dem Avers und den Nennwert in Euro erkennen. Zudem gibt das Länderkürzel (siehe nächster Absatz) Informationen, wo die jeweilige Münze geprägt wurde. Die Kennzeichnung “LEV”, die vielfach auf Agenturmünzen erscheint, steht für die private Prägestätte Leipziger Edelmetallverarbeitung und den Zusammenschluss mit Geiger Edelmetalle. Hier entstehen zum Beispiel die beliebten Sammler- und Anlagemünzen Arche Noah Silber und Arche Noah Gold, die für die Republik Armenien produziert werden.
Die Länderkürzel: Hier werden die Münzen geprägt
Andere, meist europäische Prägestätten, nutzen ein Länderkürzel zur Kennzeichnung ihrer Münzen, das oft aus einzelnen Buchstaben besteht. Bei den Goldmünzen und Silbermünzen der Münze Deutschland kommen gleich fünf verschiedene Kürzel zum Einsatz, die auf der Wertseite integriert sind. Dabei steht der Buchstabe A für Berlin, D = München, F = Stuttgart, G = Karlsruhe und J = Hamburg.
Das schlichte D auf deutschen Münzen ist Synonym für das Bayerische Hauptmünzamt in München. Es ist eines der fünf offiziellen Münzprägestätten Deutschlands. Hier entstehen nicht nur Umlaufmünzen, sondern auch zahlreiche Produkte wie zum Beispiel Bayern Thaler Silber oder Bayern Thaler Gold. Hierbei handelt es sich gleichermaßen um klassische Anlagenmünzen, wie auch um Sonderprägungen für Sammler.
Auch auf den Münzen der Eidgenössischen Prägestätte Swissmint kommt ein Länderkürzel zum Einsatz. In Kombination mit der Jahreszahl ist der Buchstabe “B” angehängt. Er bezeichnet den offiziellen Prägeort Bern. Ältere Schweizer Münzen sind auch mit den Kürzeln A = Paris, B. = Brüssel, AB oder BB = Strassburg beschriftet. Die Wertseiten tragen überwiegend die Umschrift »CONFOEDERATIO HELVETICA« und einen Nennwert in Franken.
Die Künstlersignaturen der Gestalter
Nicht selten sind die Motive der Münzen kleine Kunstwerke. Sie werden von Graveuren, Münzdesignern oder Skulpturkünstlern in aufwendigen Prozessen gestaltet. Entstanden ihre Motive früher noch auf dem Papier, unterstützen heutzutage meist Computerprogramme. Die Zeichenstifte werden jedoch unverändert von Hand geführt. Ihre Signaturen finden sich oft auf der Bild- oder Wertseite, wo sie direkt in das jeweilige Motiv integriert sind. Oft werden die Initialen der Künstler verwendet, seltener sind es reine Symbole. Manchmal sind sie so gut im Motiv versteckt, dass nur eine genaue Betrachtung hilft, um sie zu finden.
Die Liste der Münzgestalter ist lang, darunter finden sich jedoch viele bekannte Kürzel, die immer wieder auf europäischen und internationalen Münzbildern zu finden sind. So steht etwa das Kürzel »CLS« auf dem Krügerrand für den südafrikanischen Bildhauer und Künstler Coert Lourens Steynberg, der das weltbekannte Motiv der Springbock-Antilope auf der Wertseite der Münze entworfen hat. Überwiegend handelt es sich um Künstler, die in den jeweiligen Münzprägestätten angestellt sind, andere werden individuell für bestimmte Designs beauftragt.
Privy Marks kennzeichnen das Besondere
Die sogenannten Privy Marks haben bei Münzen eine Doppelfunktion. Einerseits sollen sie auf ein besonderes Ereignis hinweisen und gleichzeitig dienen sie dem Fälschungsschutz. Die winzigen Lasergravuren, die meist auf der Bildseite erscheinen, sind nicht selten nur mit einer Lupe klar erkennbar. In einigen Designs sind sie bereits seit vielen Jahren etabliert. So zum Beispiel bei den kanadischen Münzen Maple Leaf Gold oder Maple Leaf Silber. Zusätzlich zum klassischen Design wurde 2013 ein Privy Mark in Form eines kleinen Ahornblatts ergänzt. In dessen Zentrum ist das jeweilige Prägejahr in zweistelligen Ziffern integriert.
Ein anderes Beispiel kommt aus England. In 2027 feiert die Royal Mint gleich zwei Jubiläen. So wird die Goldmünze Britannia 40 Jahre alt und die Silbermünze Britannia wird 30. Um auf diese Ereignisse hinzuweisen, erhalten beide Münzdesigns des Jahrgangs eine nummerierte Hintergrundtextur, die je nach Lichteinfall deutlich wird, sowie ein wellenförmiges Privy Mark mit der Jubiläumszahl im unteren Münzrand.


