Zinsentscheidungen der Fed und EZB beeinflussen den Goldpreis

Die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank belassen den Leitzins im Oktober 2026 unverändert, doch eine Erhöhung zum Jahresende steht im Raum. Dies setzt den Goldpreis weiter unter Druck und belastet Anleger.
Zinsentscheidungen der Fed und EZB beeinflussen den Goldpreis

Mit Spannung wurden die beiden bedeutenden Zinsentscheidungen der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank für Oktober 2026 erwartet. Nachdem zuvor bereits die Fed ihren Beschluss bekannt gab, folgte nun auch die Entscheidung der EZB. Beide Großbanken behalten den Leitzins unverändert bei. Für die meisten Volkswirte und Anleger stellten diese Zinspausen keine große Überraschung dar, denn sie traten erwartungsgemäß ein. Entsprechend zeigte sich der Goldpreis wie auch die meisten anderen Anlageprodukte zunächst wenig beeindruckt. Welche Auswirkungen haben die Entscheidungen der Landeszentralbanken auf die Preise für Gold und Silber? Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um Edelmetalle zu kaufen? Und wie gehen die Notenbanken mit ihren Goldreserven um?

US-Notenbank Fed gibt Zinspause bekannt

Erst Mitte September 2026 hatte der Zentralbankrat der Federal Reserve (Fed) den Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben. Dies war die erste Zinserhöhung seit Juli 2023. US-Notenbankchef Kevin Warsh hatte den Schritt mit der Notwendigkeit begründet, das Zwei-Prozent-Inflationsziel der Fed zu unterstützen. Die Teuerungsrate in den USA lag im September 2026 bei 3,7 Prozent. Als Treiber sahen Analysten unter anderem höhere Energie- und Ölpreise infolge des Nahost-Konflikts an.

Aus diesem Grund rechnete ein Großteil der Volkswirte bereits mit einer Zinspause für Ende Oktober. Der Markt geht jedoch von einer möglichen weiteren Erhöhung zum Jahresende aus, um die Inflation zu senken. Dem Trend folgend könnte diese erneut um 0,25 Prozentpunkte ausfallen.

Bereits im Vorfeld der Oktober-Sitzung hatte Fed Chef Warsh angekündigt, die Art der Kommunikation der Notenbank grundlegend verändern zu wollen. So ist es angedacht, eine der acht für 2027 geplanten Sitzungen des Zentralbankrats ausschließlich für geldpolitische Strategien zu reservieren. Dabei ist jedoch keine Abstimmung über den Leitzins vorgesehen. Ebenso wenig soll eine Erklärung erfolgen.

Auch die EZB hält die Leitzinsen stabil

Nur einen Tag später als die Fed verkündete auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsentscheidung. Demnach bleiben die Leitzinsen unverändert bei 2,50 Prozent. Auch der Hauptrefinanzierungssatz wurde bei 2,65 Prozentpunkten belassen. Zur Begründung führte der EZB-Rat die weiter gestiegenen Energiepreise an, dem jedoch eine weitgehend stabile Teuerungsrate gegenübersteht.

In Deutschland lag die Inflationsrate im September 2026 bei 3,3 Prozent mit einer Steigerung um 0,4 Punkte zum August. Damit stieg die Inflation erstmals seit knapp drei Jahren auf über drei Prozent. Als Hauptursache wurden hier insbesondere stark gestiegene Preise für Energie und Kraftstoffe angeführt.

Christine Lagarde ließ in ihrer Begründung die weiteren Schritte der EZB offen. Für die Sitzung im Dezember 2026 erwarten Experten jedoch eine Zinserhöhung, um die Inflationsrate einzudämmen. Die aktuelle EZB-Präsidentin Lagarde verkündete zudem ihren vorzeitigen Rücktritt für Februar 2027 nach dann siebenjähriger Amtszeit.

Auswirkungen der Zinsentscheidungen auf den Goldpreis

Die Zinsentscheide der Zentralbanken – allen voran der US-Notenbank Fed – haben oft einen unmittelbaren Einfluss auf den Goldpreis. Der US-Markt ist deshalb vorrangig, da Gold in US-Dollar gehandelt wird. Zudem wirft das Edelmetall keine Zinsen ab, wodurch es sensibel auf Veränderungen des Zinsniveaus reagiert.

Wenn die Zentralbanken die Zinsen erhöhen, rücken festverzinsliche Anlagen wie zum Beispiel Staatsanleihen wieder in den Fokus, da sie mehr Rendite abwerfen. Dagegen steigen die Haltungskosten für Gold, da Investoren ihr Geld von Gold in verzinste Anlagen umwandeln, was den Goldpreis belastet. Sinken die Zinsen, schmilzt der Renditevorteil von Anleihen und Gold wird als alternative Anlageform wieder attraktiv. Anlagenkäufe stützen dann den Preis oder lassen ihn steigen.

Das vorübergehende Einfrieren der Leitzinsen (wie aktuell) hat traditionell eine stabilisierende bis leicht positive Auswirkung auf den Goldpreis. Grund sind hier psychologische Aspekte, die mit dem Ende der belastenden Zinserhöhungen einhergehen. Jedoch kann eine Zinspause auch Druck auf den Goldpreis ausüben, wenn der Leitzins lange auf einem hohen Niveau bleibt oder die Angst vor einem späteren Zinsschock geschürt wird.

Darüber hinaus vermag auch die Erwartungshaltung der Investoren für eine Bewegung des Goldpreises sorgen. Werden etwa Zinssenkungen oder -erhöhungen bereits Wochen im Voraus signalisiert, sind sie im gegenwärtigen Goldkurs meist schon “eingepreist”. Analysten gehen davon aus, dass dies aktuell geschehen ist, da die Zinspause erwartet wurde.

Goldpreis Chart - Gold-Spotkurs

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Ist die Zinspause ein Signal für den Goldkauf?

Grundsätzlich empfehlen Experten den Kauf von Gold bei fallenden oder gleichbleibend niedrigen Kursen. Jedoch handelt es sich bei physischem Gold um ein langfristiges Anlageprodukt, das ohnehin keine Zinsen oder Dividenden abwirft. Kündigen die Notenbanker weitere Schritte an oder sind diese abzusehen, steigen allgemein die Sorgen vor dauerhaft hohen Zinsen. Diese Phase wird in Investmentkreisen gerne auch als “higher for longer” bezeichnet. Verzinsliche Anlagen sind dabei im Vorteil und werden im Gesamtportfolio bevorzugt. Gold ist dann weniger attraktiv.

Hohe Inflationsraten und geopolitische Krisen sprechen jedoch eindeutig für Sachwerte wie physisches Gold und andere Edelmetalle. Dazu zählen hohe Energie- und Ölpreise oder anhaltende Konflikte wie im Nahen Osten. Auch das Verhalten der Notenbanken kann Aufschluss über die Goldnachfrage geben. Entscheidend ist hier der individuelle Anlagehorizont, der kurz-, mittel- oder langfristig ausgelegt sein kann, sowie ob physisches Gold oder Papiergold wie etwa Minenaktien bevorzugt wird.

Die Zentralbanken und ihre Goldreserven

Nach vorläufigen Daten des World Gold Council (WGC) erwarben die Zentralbanken im September zusammengenommen 63 Tonnen Gold. Im August waren es noch 39 Tonnen. Dabei führt die chinesische Notenbank die Rangliste mit insgesamt 109 Tonnen zwischen Januar und September 2026 an. Auch Polen gehört mit 25 Tonnen Gold zu den Großkäufern im Herbst.

Medienberichten zufolge würden zudem immer mehr Notenbanken tonnenweise ihre Goldbestände auf zusätzliche internationale Lagerstätten verteilen. Dabei ist auffällig, dass die Zentralbanken ihre Bestände aus den amerikanischen Staaten nach Europa verlagern. So verkaufte etwa Frankreich rund 130 Tonnen seiner Goldreserven aus New York und erwarb die gleiche Menge in Europa.