Schließfachraub: Sind Edelmetalle noch sicher bei Banken und Sparkassen?

Im Dezember verschafften sich Unbekannte spektakulär den Zugang zum Tresorraum der Sparkasse in Gelsenkirchen. Sie plünderten mehr als 3.000 Kundenschließfächer und zogen mit Gold, Bargeld und Schmuck in Millionenhöhe davon. Zahlt die Versicherung?
Schließfachraub: Sind Edelmetalle noch sicher bei Banken und Sparkassen?

Bankschließfächer bieten eine einfache und gesicherte Möglichkeit, Wertsachen aufzubewahren. Vielfach werden sie dazu genutzt, wichtige Dokumente, Bargeld, Schmuck oder Edelmetalle diebstahlgeschützt unterzubringen. Dadurch erübrigt sich die meist unsichere und risikoreiche Verwahrung in den eigenen vier Wänden. Lange Zeit galten die Banktresore für private Einleger als optimal. Doch wie steht es um die Sicherheit von Schließfächern bei Banken und Sparkassen im 21. Jahrhundert? Immer wieder ist in den Medien von Bankeinbrüchen und Schließfachplünderungen zu lesen. Erst Ende Dezember 2025 wurden bei einem spektakulären Bankeinbruch in Gelsenkirchen rund 3.200 Kundenschließfächer aufgebrochen. Dabei erbeuteten die Diebe Vermögensgegenstände im geschätzten Wert von 100 Millionen Euro.

Die Einbrecher hatten sich am letzten Wochenende des Jahres zunächst von einer benachbarten Tiefgarage aus Zugang zu einem Archivraum der Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen-Buer verschafft. Von dort aus setzten sie einen Spezialbohrer ein und brachen ein riesiges Loch in die Stahlbetonwand des angrenzenden Tresorraums. Anschließend brachen sie mehr als 3.000 Schließfächer auf und räumten die Kassetten aus. Mit großen Taschen wurde die Beute auf dem gleichen Weg abtransportiert. Von den Tätern und ihrer reichen Beute fehlen bislang zielführende Spuren.

Wie werden die bestohlenen Kunden entschädigt?

Nach dem Schließfachraub der Gelsenkirchener Sparkasse haben Kunden Anspruch auf eine Entschädigungsleistung in Höhe der Grundversicherung von maximal 10.300 Euro, sofern sie die hinterlegten Werte nachweisen können. Für die meisten Geschädigten dürfte dieser Betrag bei weitem nicht ausreichen. Insbesondere wer Edelmetalle gelagert hatte, wird schnell über der Einlagensicherung der Bank liegen. Unter Umständen können Hausratversicherungen oder spezielle Schließfachversicherungen höhere Summen leisten, wenn diese separat abgeschlossen wurden. Die Hausratversicherung übernimmt jedoch meist nur einen Teil des Schadens im Rahmen der Versicherungssumme für das gesamte Mobiliar.

Die Beweislast des Schadens liegt jedoch bei den Bankkunden. Sie müssen ihre Werte anhand von Inventarlisten, Kaufbelegen, Schmuck- oder Edelmetall-Zertifikaten, Fotos oder Zeugenaussagen belegen.

Bestanden mangelnde Sicherheitsvorkehrungen?

Unklar ist, ob die Bank einer erweiterten Haftung unterliegt. Sollte die Sicherung des Tresorraums nicht dem aktuellen Stand der Technik entsprochen haben, könnte eine zusätzliche Entschädigung greifen. Verschiedenen Medienberichten zufolge soll es in dem Bankgebäude erhebliche Sicherheitsmängel gegeben haben. So fehlten im Untergeschoss der Bank eine Videoüberwachung sowie Bewegungsmelder im Tresorraum.

Denkbar ist ebenfalls eine staatliche Entschädigung nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG), das etwa bei Traumafolgen oder anderen psychischen Schäden greifen kann. Auch in diesem Fall müssen Schädigungen durch entsprechende Gutachten nachgewiesen werden.

Häufen sich Schließfacheinbrüche?

Der Einbruch in der Bank in Gelsenkirchen ist kein Einzelfall. Rund um den Jahreswechsel 2025/2026 wurden weitere Schließfachaufbrüche bekannt. So etwa in Bonn oder in Halle (Westfalen), bei denen jeweils mehrere Schließfächer leergeräumt wurden. Die Polizei geht in beiden Fällen jedoch eher von internen Diebstählen aus.

Dennoch sind Experten der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) der Ansicht, dass Bankeinbrüche mit Schließfachraub in Deutschland eher seltener vorkommen. Ende 2024 erbeuteten unbekannte Täter über 18 Millionen Euro aus 370 Schließfächern der Deutschen Bank in Lübeck. Im August 2021 wurden 650 Schließfächer in der Hamburger Sparkasse in Norderstedt aufgebrochen und ausgeräumt.

Die Versicherungslücke schließen

Die Höhe der Basis-Versicherungssumme ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Während einige Banken ihren Kunden überhaupt keine Versicherungsleistungen anbieten, sind in manchen Mietverträgen Entschädigungsleistungen von bis zu 40.000 Euro versichert. Hier hilft es, den Mietvertrag eingehend zu prüfen und insbesondere das Kleingedruckte aufmerksam zu lesen. Wer den Inhalt des Schließfachs wertgemäß versichern möchte, sollte eine kostenpflichtige Zusatzversicherung in Erwägung ziehen. Diese lässt sich entweder direkt bei der Bank abschließen oder bei separaten Versicherungsgesellschaften. Auch ein Zusatztarif bei der Hausratversicherung kann den Schutz des Schließfachinhalts erhöhen. Die Versicherung von Bargeld ist hierbei jedoch meist ausgenommen.

Gold im Schließfach aufbewahren?

Die Verwahrung von Goldbarren oder Goldmünzen stellt immer ein gewisses Risiko dar – insbesondere weil der Goldpreis so hoch ist und bereits kleine Mengen einen großen Wert besitzen. Dennoch sind Gold und andere Edelmetalle in Schließfächern immer noch sicherer untergebracht als im Erdversteck zu Hause oder im Heimtresor, der in den meisten Fällen nur bedingt Einbrechern Widerstand leisten kann.

Auch wenn die Sicherheitsvorkehrungen bei manchen Bankhäusern in die Jahre gekommen ist, stellen die Schließfächer immer noch einen hohen Schutz des Eigentums dar. Das A und O ist jedoch ein guter Versicherungsschutz, sodass es keine bösen Überraschungen geben kann, wie beim Schließfachraub in Gelsenkirchen.

Neben klassischen Bankschließfächern werden Tresore ebenfalls von privaten Sicherheitsunternehmen angeboten, die auf Verwahrung von Vermögenswerten spezialisiert sind. Hierbei handelt es sich um hochsichere Gebäude, die im Gegensatz zu Banken nicht als Lagerhäuser für Valoren erkennbar sind. Und wer seine Edelmetalle gerne außerhalb von Deutschland oder der EU lagern möchte, kann dies zum Beispiel in der neutralen Schweiz bei einem bankenunabhängigen Privatanbieter realisieren. Doch auch hier sollten neben Sicherheitsaspekten und Kundenservice insbesondere die Versicherungsleistungen im Fokus stehen.

Fazit Gold im Schließfach: Auf den Versicherungsschutz kommt es an

Das Beispiel des Schließfachraubs in Gelsenkirchen zeigt, dass sich Einbrecher heutzutage sehr durchdacht und gut vorbereitet Zugang zu einem Banktresorraum verschaffen können. Wenn dann noch die Sicherheitsvorkehrungen des Anbieters veraltet sind, haben Diebe ein verhältnismäßig leichtes Spiel. Doch das trifft sicher nicht auf alle Schließfachanlagen zu und die Strafverfolgung der Justiz darf auch nicht unterschätzt werden. Anleger können also weiterhin darauf vertrauen, dass ihre Edelmetalle und andere Wertsachen in einem Bankschließfach sicher verwahrt werden können. Experten empfehlen jedoch, den Versicherungsschutz zu prüfen und eventuell anzupassen. Das gilt ebenfalls für eine Lagerung der Vermögenswerte bei privaten Anbietern.